Mittwoch, 14. September 2011

1.9. - 8.9.2011: Zwischenspurt: Von Almaty nach Sibirien - 4 Tage und 70 Stunden im Zug

Von Bishkek nach Almaty ist ein Katzensprung, grad mal 5 Stunden in einem Minibus inklusive chaotischem, aber wenn man das unkoordinierte Gedraengel mal aussen vor laesst, unproblematischem Grenzuebergang.

Almaty erordert von uns flexibles Planen und Handeln. Schnell wird uns bewusst, dass unser Vorhaben ein Visum für die Mongolei bei dem dort ansässigen Konsulat zu erwerben, schwer umzusetzen sein wird: keine Ereichbarkeit, undurchschaubare Öffnungszeiten, lange Bearbeitungsfristen, unsinnige Anforderungen etc.
Also: Ein neuer Plan muss her! Wir erfahren, dass das mongolische Konsulat in Irkutsk unproblematisch und schnell Visas ausgibt. Da dies sowieso auf unserer Reiseroute liegt, passt dies gut in unser Konzept. Gut soweit!
Die Einreisebestimmungen in Kasachstan besagen dass sich Touristen innerhalb von 5 Tagen nach Einreise offiziell registrieren lassen müssen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten, aber alle kosten wiederum unsinnig zuviel Geld. Um diese in unseren Augen geldmacherische Anforderung zu umgehen (warum zahlt man Visagebuehren?), suchen wir eine Möglichkeit uns baldigst auf den Weg zu machen, um fristgerecht ausreisen zu können. Almaty ist zwar wirklich nett anzusehen, aber ansonsten gibt es in Kasachstan - abgesehen von Astana, das wohl so authentisch wie Disneyland ist - nicht mehr viel zu sehen, nur Steppe, Steppe und nochmal Steppe und das lädt nicht wirklich zum verweilen ein.

So suchen und finden wir im Internet einen passenden Flug, der uns zeitgerecht und finanzierbar zu unserem nächsten Ziel, Novosibirsk in Sibirien, bringen würde. Auch gut!
Leider machen wir keine Nägel mit Köpfen und am nächsten Morgen hat sich der Flugpreis fast verdoppelt. Das ist uns das Ganze dann doch nicht wert.

Na dann, wieder alles anders. Wir geben unsere Paesse zur bloeden Registrierung, um der umgehenden Verhaftung und Einkerkerung samt Folter zu entgehen (in etwa so dramatisch stellen es uns die Damen im Hotel dar, die vermutlich eine Provision je Registierung kassieren) und flexibel bei der weiteren Planung zu sein.

Nach der Abwaegung einiger Optionen, landen wir doch wieder beim Zug - sind ja grad mal gute 40 Stunden bis nach Novosibirsk. Jippi!!!

Aber egal, damit bleiben wir dem Vorhaben, die Strecke auf Landweg zu bezwingen, treu. Da wir im Internet sehen, dass die Tickets knapp werden, moechten wir diesmal flott Fakten schaffen und Tickets kaufen. Allerdings wird uns versichert, dass ein Zugticket nur mit dem Reisepass zu erwerben ist. Unsere Paesse gammeln aber auf diesem unsinnigen Registrierungsamt rum, und anders als besprochen, bekommen wir diese nicht um 19 Uhr zurueck, sondern lediglich unzaehlige "in 20 Minutes passport ready" spaeter. Um 23.30h machen wir uns dann wirklich mit unseren vorbildlich registrierten Paessen auf dem Weg zum Bahnhof, an dem wohl rund um die Uhr Tickets erhaeltlich sind. Tatsaechlich, dort ist ne Menge los, zu unserer Ueberraschung sehr diszipliniert mit Nummer ziehen und so. Wir entdecken einen Ticket Automaten, der gegen Visakarte Tickets ausspucken soll. Wir versuchen die Wartezeit zu verkuerzen, bearbeiten den Automaten, aber - iss ja klar - irgendwann geht nichts mehr und zu unserer Freude, erhalten wir weder Fahrschein, noch die Visa Karte zurueck. Wir sehen uns schon vor dem Automaten uebernachten, bis autorisiertes Personal uns zu unserer Visakarte verhilft, aber - Glueck gehabt - wir finden jemanden, der jemand findet der einen Schluessel hat. Automat auf- Visakarte raus und mit der Unterstuetzung von mittlerweile 3 Personen vom Bahnhofspersonal starten wir einen neuen Versuch und tatsaechlich, der Automat wirft 10 Minuten spaeter brav 2 Tickets nach Novosibirsk aus. Die Bahnangestellte versucht uns auf russisch etwas vermeindlich sehr wichtiges zu sagen - wir verstehen nur Bahnhof. Aber, wie loesst man diese Situation im neuzeitlichen Kasachstan? Die Dame packt ihr IPhone 4 aus, aktiviert das WIFI, welches es kostenlos im Bahnhof gibt, und dank Uebersetzungsprogramm ertoent eine freundliche Stimme aus ihrem Telefon: "Bitte seinen sie um 14 Uhr am Bahnhof". Ah ja.

Als Nebenbemerkung vielleicht: Den Pass hat man natuerlich nicht gebraucht fuer das Ticket, dass es nur nur erster Klasse Tickets gab, war und auch egal und dass die zeitliche Weiterreise nun eigentlich doch keine Registrierung erfordert haette - auch wurscht!

Nachdem dieser Admin-Mist ueberstanden ist, erkunden wir die naechsten Tage Almaty, einen Tag mit Fahhraedern, und wir sind beeindruckt, wie schoen und entwickelt die Stadt mit Blick auf schneebedeckte Berge ist.







Als wir ploetzlich einen 'Strenesse' Laden erblicken, sind wir schon sehr ueberrascht. Haetten wir hier nicht erwartet. Aber auch nicht die vielen Porsche Cayennes, die hier rumstehen.


Lustig finden wir auch, dass es an jeder Ecke Doener Buden gibt, fast wie zuhause. Mit frisch gezapften, gern aus der Plastikflasche, wie wir das schon aus Russland kennen, schmeckt es am besten.




Versoehnt mit Almaty steigen wir am Sonntag in unsere erste Klasse Wagon, bereit nun 40h vor uns hin zu rumpeln. Aber, als mittlerweile Zug-Fahr-Profis, sind wir natuerlich kulinarisch gut mit Gin Tonic und Schmelzkaese ausgestattet.

Stunde um Stunde knattern wir durch die kasachische Steppe. Nicht viel Abwechslung im Fenster -Kino..



Als wir eindlich die Grenze erreichen, steigt ein kasachischer Grenzbeamter mit Laptop in das Abteil, liest unsere Passe ein und auf dem Display des Laptops erscheinen unsere Fotos. Sehr fortschrittlich und fast ein bisschen spooky! Aber Gott sei Dank - wir sind ja registriert und wenige Minuten spaeter offiziell ausgereist, first class, quasi. So professionell sind die Russen noch nicht, die Einreise ist stumm mit einem verschmierten Stempel im Pass erledigt. Privet Russki!

Eine weitere Nacht und in unserem Rumpelzug und - tata - 'schon' sind wir in Novosibirsk!
Das ist also Sibirien. In der Tat, etwas frischer als in Almaty, aber herrlich sonnig und am Nachmittag laufen wir im T-Shirt durch die Stadt.
Wir hoffen soooo sehr, auf einen McDonalds, um unsere in den "Stans" entwickelten "Big Mac - Fantasien" (das gibt vielleicht eine Vorstellung, wie gut das Essen da war) endlich auszuleben, aber wir muessen uns mit einem KFC zufrieden geben. Naja, immerhin.

Ansonsten ist Novosibirsk unaufgeregt, sowjetisch gepraegt, aber angenehm "westlich" (dafuer, dass es ziemlich im Osten ist). Im Vergleich zu Zentralasien ist es regelrecht zivilisiert und "fast wie Zuhause", nur dass es bei uns weniger Lenin Statuen gibt.






Wir schlafen uns eine Nacht ohne Geratter aus und steigen am naechsten Morgen wieder in den Zug, diesmal nach Irkutsk, schlappe 30 Stunden entfernt.
Wir teilen das Abteil mit einem ungleichen Paar (er knapp 70, sie mitte 30), die sich mit aller Gewalt mit uns zu unterhalten versuchen. Etwas russisch, wenig englisch und viel Haende und Fuesse speater, werden wir nicht nur ueberschwenglich mit Kaviar-Toast und Tee versorgt, wir wissen auch, dass sie angeblich Anwaeltin und er Doktor ist, ein Doktor, der Menschen wieder ins Gleichgewicht bringt. Aha, ein Psychologe, vermutlich. Erst als sie ihre Halbedelsteine an Pendeln samt irgendwelcher Pappen mit wirren Symbolen auspackten und uns erklaerten, wir hatten ein sehr, sehr gut und starke gemeinsame Aur,fanden wir sie ein wenig komisch. Als ich frage, ob wir nicht ein gemeinsames Fotos machen, schriehen sie synkron "Niet!". Ob das schlecht fuer die Aura ist, oder sie tatsaechliche von Interpol gesucht werden, wie uns der Mann lachend erklaerte, werden wir wohl nie herausfinden.




Vor dem Fenster rasen Stunde um Stunde Birkenwaelder an uns vorbei. Wunderschoen, dass ist also Sibirien - ein nicht enden wollendes Land.





Um dem unbewussten Beitritt zu einer spirituell fragwuerdigen Sekte zu verhindern, ziehen wir weiten in den Speisewagen. Leider nicht so "klassisch" elegant, wie in der alten Transsibirischen Einsenbahn, aber durchaus zweckmaessig mit Plasikstuehlen, frischem Essen und Bier (zur Not halt auch Loewenbraeu).




Gemuetlich schon, aber als wir endlich in Irkutsk ankommen, sind wir schon sehr froh, den Zug zu verlassen. innerhalb von 100 Stunden 70 in einem Zug, das reicht fuers erste. Jetzt wartet auf uns ein neuer Versuch mit dem mongolischen Visum und ein paar Tage am Baikal See.

Mittwoch, 31. August 2011

22.08.-31.08.2011: Kirgistan: Jurten, Wodka und unendlich viele Perde

In Osh angekommen, brauchen wir erstmal einen Tag, um uns vom Abenteuer Tadjikistan (auch kulinarisch gesehen) zu erholen. Osh ist eine unspektakuläre Stadt, der die Unruhen von letztem Herbst noch anzusehen sind. Wir sind nicht traurig, Osh zu verlassen und wir werden nicht endteuscht - Kirgistan deutlich mehr zu bieten...

Zunaechst geht es nach Jalla-Abad (nein, nicht das bei Kabul) und dann viele Stunden weiter in ein Bergdorf namens Kyzyl-Oi. Das scheint ein Hauptsitz des kirgisischen Tourismus zu sein. Die Agentur CBT hat hier ein Buero, in dem man gefuehrte Pferde- und Hiking Touren machen kann oder bei einer Familie ein "Homestay" erlangen kann. Das funktioniert wie in Tadjikistan: Ein paar Decken werden in einem leeren Zimmer ausgerollt, Essen fuer alle gekocht, fertig.

So landen wir bei einer netten Grossfamilie mit vielen, vielen Kinder, die wir wieder mit unseren Luftballons beeindrucken koennen.





Unsere "Herbergsmutter" stellt sich als "Katja" vor und bekocht uns mit, was sonst, Kartoffeln und Fleisch (Schaf? Ziege? Pferd? Wir fragen lieber erst gar nicht...). Da uns das schwer im Magen liegt, zueckt Holger stolz die fuer umgerechnet 3 Dollar erworbene Flasche Wodka und wir stossen mit Katja und unserem Fahrer "Sashka" fleissig an. Unnoetig zu erwaehnen, dass die Flasche in windeseile leer war. Grade koennen wir Katja noch davon abhalten, noch eine Flasche zu holen, und wir legen uns selig auf unser Bett, ahh, Deckenlager.



Katja, Elke, Sashka


 Katja, Sachka, Holger




Die Ueberraschung kam dann beim Fruehstueck: Katja versorgt uns nicht nur mit Spiegeleiern mit Nudeln (interessante Kombi), nein, sie bringt auch eine Flasche Wodka mit, um, wie sie sagt, uns "To wish you good luck for your trip" zu wuenschen. Na gut, der Hoeflichkeit wegen stimmen wir zu, mit ihr einmal das Glas zu heben. Es war ca. 8 Uhr morgens, also nicht gerade eine uns uebliche Zeit zum Schnappsln. Aber Katja scheint hier mehr Erfahrung zu haben und - man kann es sich denken - eine Stunde spaeter haben wir auf alles Erdenkliche angestossen und die Flasche ist leer. Puh, was man nicht alles tut, um der Gastfreundschaft hoeflich zu begegnen... Um die Stimmung perfekt zu machen, packt Katja noch einen traditionellen, kirgisischen Hut aus und schenkt ihn uns als Andenken. Das musste natuerlich auf einem Foto festgehalten werden.


Katja, eine Nudel und Holger mit Hut

Katja, Elke und die  (leere) Flasche Wodka


Etwas (ziemlich) benebelt treten wir die Weiterreise an. Unser Fahrer, der diesmal nicht mitgetrunken hat, amuesiert sich offensichtlich sehr ueber unseren Zustand....

Wenige Stunden spaeter gelangen wir an zwei Jurten, von denen aus unsere Reise per Pferd weiter gehen soll.
Wir treffen auf Orman, unsern Reit-Guide, und wir starten eine erste Tour zu Pferd. Elke's Galoppversuche endeten schmerzhaft, als das Steissbein mit dem Metallrahmen des Sattels recht schwungvolle Bekanntschaft macht. Hm, eine Bekanntschaft, die den Steiss tagelang zur beleidigten Leberwurst werden laesst, im Sattel besonders angenehm.


Wir verbringen unsere erste Nacht in einer Jurte, im wesentlichen ein grosses Zelt, in dem die kirgisischen Bauern den Sommer verbringen, wenn sie mit ihren Pferde-, Ziegen- und Schafsherden in die Berge ziehen. In etwa wie die Sennerinnen in den Alpen. Als Zubrot bieten einige Herberge fuer Touristen an.

Holger vor der Essens und Touristen-Schlaf-Jurte, daneben die Koch-und Kirgisen-Schlaf-Jurte
Innen ist so eine Jurte sehr geraeumig, genug Platz fuer den Esstisch, der dann Nachts rausgetragen wird, um aus Decken eine Art Bett zu bauen.



Alles ganz gemuetlich, eigentlich. Irritiert waren wir allerdings, als die kirgisische Mutter anfing, quasi ueber unserem Bett Schafsfleisch zum trockenen aufzuhaengen. Interessantes Aroma zum einschlafen...



Hier noch die Kinder unserer Schaefer-Familie:






Am nachsten Morgen reiten wir dann los. Ein unglaubliches Gefuehl sich auf dem Ruecken eines Pferdes durch Taeler und Baeche sowie ueber Paesse der kirgisischen Berge zu bewegen. Holger entpuppt sich als der geborene Cowboy.  Wir uebernachten wieder in einer weiteren Jurte bei einer Familie und kommen nach einem weiteren (fuer Elke unendlich langem Tag im Sattel) am Song-Koell Lake an. Ein wunderschoener See, umgeben von Bergen und unendlich vielen Pferden und Jurten. Hier weht ein kalter Wind und die 3000m Hoehe tragen auch dazu bei, dass wir alle unsere warmen Klamotten auspacken.



Gebirge und ganz klein Elke aufm Pferd





Jurten am Lake Song-Koell



Grosse und kleine Pferde am Lake Song-Koell


Pferde, Jurten und der See

Kinder spielen vor der Jurtentuer

Pferde am Lake Song-Koell


Holger's neuer Freund  (Kommt ins Handgepaeck!)

Holger's bester Freund "Pivo", wahrscheilich von der
reinsten und besten Sorte in der 1 Liter Plasikflasche. Ein Genuss...



Nach unserer dritten Nacht in einer Jurte, geht es weiter nach Kochkor, einer netten, wenn auch unaufgeregten Stadt. Am naechsten Morgen fahren wir an den Issyk-Koell Lake, dem zweitgroessten Bergsee nach dem Titikakasee in Peru/Bolivien. Tatsaechlich, der See sieht aus wie ein Meer.




Weiter fahren wir nach Bishkek, der Haupstadt von Kirgistan. Nach all den Naechten auf dem Boden goennen wir uns mal ein richtig tolles Hotel, mit eigener, warmer Dusche, Flatscreen Fernseher (nur lokale und russische Sender, naja) und, ganz wichtig, WIFI. Nach einigen Wochen in der 'Wildnis' tut warmes Wasser, ein ordentliches Bett und Kommunikation mit der Heimat schon sehr gut. Auch finden wir in Bishkek westliche Restaurants - eine willkommene Abwechslung...
Bishkek ist sonst eine sehr begruente Stadt, mit vielen Parks, Autos und Shopping Malls. Die vermeindlichen Sehenswuerdigkeiten erweisen sich alles Prunkdenkmaeler entweder aus der Sowjet-Zeit, oder noch stark davon inspiriert.

Victory Square

Auf dem Ala-Too Square, einem der Hauptplaetze von Bishkek treffen wir zufaellig mitten auf die Proben fuer die grosse Feier zur 20 jaehrigen Unabhangigkeit der Republik Kirgistan. Wie unabharngig das Land wirklich ist und wir demokratisch erschliesst sich uns nicht, aber wir haben unsere Zweifel. Aber die Feier wird gross: Viele Kinder, die schonmal winken ueben, viele kirgisische Fahnen, Riesenposter und wie wir in der Zeitung lesen, weden auch Panzer rollen und Helikopter uber den Platz fliegen. 

Ala-Too Square


20 Jahre Unabhaengigkeit


Nun geht es weiter nach Almaty, Kasachstan, wo wir versuchen ein Visum fuer die Mongolei zu bekommen und unsere Weiterreise nach Sibirien planen. Dann haben wir die "Stans", und damit einen wesentlicher Block unsere Reise, schon fast abgehakt. Knapp 2 Monate sind wir nun schon unterwegs, Monate voller beeindruckender Erlebnisse und Erfahrungen -  wir sind sehr gespannt, was noch auf uns zukommt.



Sonntag, 21. August 2011

12.08.- 21.08.2011: Tadjikistan - Urspruenglicher geht nicht

Wir suchten mehr urspruengliches in Tadjikisan? Wir fanden es! Ohne Dusche, Bier und Internet, dafuer mit unglaublicher Natur und freundlichen Menschen.

Aber von vorn - der Weg dahin war steinig.

Zunaechst der Grenzuebergang Usbekistan - Tadjikistan:
Da leider die Grenze direkt bei Samarkand Anfang des Jahres geschlossen wurde, angeblich wegen der schlechten Beziehung der beiden Laender zueinander (Streit um Wasser, Elektrizitaet und noch ein paar historische Dinge), mussten wir eine ca. 6 stuendige Autofahrt in Angriff nehmen, um zur naechsten, weiter suedlich gelegenen Grenze zu kommen. Da keine Busse fahren und auch sonst keine Mitfahrer aufzureiben waren (ab jetzt wird es naemlich recht untouristisch) verhandeln wir mit Haenden und Fuessen einen passablen Preis mit einem Taxifahrer aus. Nach unserem Verstaendnis ist ein Deal ein Deal, man haelt sich dran, egal wie gut oder schlecht er ist, hat man sich einmal darauf eingelassen. Nicht so unser Taxifahrer: 15km vor der Grenze bleibt dieser stehen und beginnt zu jammern, dass es doch viel zu wenig Geld ist und er nur weiterfaehrt, wenn wir nochmal ueber den Preis sprechen. Andere Laender, andere Sitten.

Etwas genervt nehmen wir den Genzuebergang zu Fuss in Angriff. Vor den Usbeken wird im Lonely Planet gewarnt - das Ziel ist den Touristen noch ein paar Som oder Dollar abzuknoepfen. Aber nein, unser Geld wollten sie nicht, aber ungelogen, jeden einzelnen Gegenstand in unseren Rucksaecken wollten Sie begutachten und erklaert haben. "Das ist ein Deo-Roller - Ahhh - und das ein USB Stick - Achso - Das ein Russischwoerterbuch - Uiii". Das Groesste waren Fotos vom letzten Oktoberfest auf einem von Holger's Handys - Wow, die wollten gleich alle Grenzer sehen. Das Ganze hat uns ca. 1,5 Stunde gekostet, aber zumindest waren sie freundlich und offensichtlich dankbar aus der Langeweile des Alltags mal rauszukommen.
Eine weitere Stunde spaeter haben wir weitere unzaehlige Male unsere Paesse und Visa vorgezeigt und als wir endlich die letzte Station genommen haben, schaut uns ein Soldat in voller Montur inklusive Kalaschnikow in der Hand an und sagt "Welcome to Tajikistan". Da ging uns trotz aller Strapazen das Herz auf.

Eine Stunde spaeter sind wir in Dushambe, der Hauptstadt von Tadjikistan, eine ueberraschend angenehme Stadt, wenn auch hier die Sowiet Vergangenheit noch sichtbar ist.




Hier organisieren unsere Weiterreise nach Khorog, sozusagen dem Tor zum Pamir Gebirge. Um diese 450km zu ueberwinden taten sich drei Alternativen auf. Entweder fuer knapp 2000 USD einen Jeep samt Fahrer als Teil einer Rundreise buchen (teuer). Oder einen Flug buchen, der mit einer Antonov 28 (vermutlich Baujahr 1960 oder so) von Tajik Air geflogen wird und im Lonely Planet als "most terrifying experience of your life" beschrieben wird, da die Berggipfel hoeher sind, als das Flugzeug im stande ist zu fliegen. Zu Sowiet Zeiten war dies wohl die einzige Strecke, fuer die Aeroflot Piloten eine "Gefahrenzulage" erhalten haben. Klares Veto von Elke. Dritte Option: Shared Taxi, dh warten, bis sich ca. 7 Mitfahrer gefunden und in einen Jeep gequetscht haben, um dann 18 Stunden uber die schlechteste Strasse der Welt zu holpern. Auch hier ermutigt der Lonely Planet "expect to wait forever for the vehicle to fill up and leave". Hm, irgendwie auch keine Option.
Um nicht tagelang in Dushambe rumzuhangen, verhandeln wir mit einem Taxifahrer einen Preis fuer das ganze Taxi und brausen am naechsten morgen los. Naja, die Fahrt dauert 18 Stunden, auch hier wird sich nur bedingt an das vermeindlich Vereinbarte gehalten, aber wir sind beeindruckt von dem was wir sehen. Nicht nur, dass wir 13 mal (in Worten dreizehn mal) von der Polizei angehalten werden und der Fahrer jedes mal ein paar Scheine Schmiergeld in die Fahrzeugpapiere steckt, nein, wirklich beeindruckend ist die Natur, vor allem als wir nach Stunden am Pyanj River ankommen, der die Grenze zu Afghanistan darstellt. Fuer den Rest der Fahrt folgen wir diesem Fluss und blicken auf afghanische Dorfer und Berge. Ach ja, ein paar Minenfelder sehen wir rechts von uns und ein paar Panzer kommen uns mal entgegen, sonst nichts spektakulaeres.

Wir finden einen Mitreisenden (Jim aus UK) und mieten fuer 4 Tage einen Jeep samt Fahrer, der uns durch das sagenhafte Wakhan Valley faehrt. Atembraubende Ausblicke auf den afganischen und pakistanischen Hindu Kush durfen wir erleben. Unendlich schoen... Hier nun eindlich ein paar Fotos:












Wir uebernachten in sogenannten "Homestays", dh bei Familien, die in einem Zimmer ein paar Decken als Matrazen ausrollen und uns bekochen. Sanitaere Anlagen? Hier darf man nicht zimperlich sein: Ein Hauserl mit Loch im Boden und Wasser aus dem Bach. Das Essen? Auch hier darf man nicht viel erwarten. Einfaches aus Kartoffeln, fragwuerdigem Fleisch und Nudeln. Welche Auswirkungen das auf unseren Magen-Darm Trakt hatte, muss nicht im Detail beschrieben werden. Ich sage nur: Montezuma laesst gruessen.








Dennoch haben uns diese Herbergen ganz nah rangelassen an das wirkliche Leben der Menschen im Pamir Gebirge. Schlicht und ergreifend keinen Luxus (noch nicht mal Bier, nur gruenen Tee) und keine Touristengruppen. Nur auf ein paar Individualreisende mit Rad oder Jeep treffen wir hier. Das ist schon beeindruckend, wie die Menschen hier leben und wie freundlich wir aufgenommen werden.



Sprachlos sind wir auch, als wir wieder gen Norden durch das Hochgebirge fahren und uns in einer Mondlandschaft bei Bulunkul ein riesiger, salziger See erscheint.






Schliesslich folgen wir dem Pamir Highway weiter gen Norden und finden bei ein paar (etwas seltsamen) Kirgisen eine Mitfahrgelegenheit nach Osh, Kirgistan in ihrem russischen Jeep namens "Hunter", Baujahr vermutlich in den 60gern, wie die Antonovs. Und zu viert auf der Rueckbank, gar kein Problem, da kommt man sich mal etwas naeher.




An der Grenze zu Kirgistan treffen wir auf Teilnehmer der "Mongol Ralley", einer mit einem Fiat Panda. Bei den Stassen bemerkenswert.




Nach vielen Stunden sind wir in Osh und freuen uns unendlich uber eine Dusche. Wahrscheinlich haetten wir schon 2 Stunden frueher in Osh sein koennen, haette unser Fahrer nicht nach ausgedehnter Mittagspause eine ca. einstuendige Autowaesche im Bach nebem der "Raststaette" fuer notwendig gehalten. Eimerweise wurde die Kiste bewaessert und mit alten Lappen poliert. Wir standen nur Kopfschuettelnd daneben. Fairerweise kann man erwaehnen, dass nicht nur unser Fahrer einen Knall hatte, auch andere Autos wurden in Fluessen und Baechen gewaschen. Angeblich verhaengt die Polizei Strafen fuer schmutzige Autos. Mal wieder: Andere Laender, andere Sitten...

Zusammenfassend kann man sagen, dass Tadjikistan fuer Abenteuter, Outdoorfans, Biker und Hiker ein absolutes Paradies ist. Tolle Berger, atemberaubende Ausblicke und Urspruenglichkeit, die nur noch selten zu finden ist. Wir sind uns einig, dass dies wohl eins der beeindruckensten Leander sein wird, das uns in Erinnerung bleibt.




Vielleicht noch eine Bemerkung: Wir dachten ja, unsere Reise waere ein Abenteuer. Aber, man stellt immer wieder fest, alles ist steigerungsfaehig. So staunen wir ueber die vielen Radfahrer, die von Deutschland oder Frankreich aus bis nach China radeln. Nicht nur nebem dem Pamir Highway auf ueber 4000 Metern kampieren, sondern auch schon Irans Wueste hinter sich haben und teilweise fuer die Tour sich Zeit bis zu 5 Jahren nehmen. Da fuehlen wir uns regelrecht langweilig dagegen!

Mal sehen, was wir in Kirgistan erleben!